Nachdem die gemeinsame Liste an Maßnahmenvorschlägen aus den Arbeitsgruppen vorliegt und die ersten Prognoserechnungen erfolgt sind, wurde ersichtlich, dass ein nachhaltiges Wassermengenmanagement nicht ohne Optionen von Maßnahmen im Bereich des Städtebaus auskommen wird. Am 11. Juni 2026 kamen daher die Vertreter*Innen der Kommunen zusammen, um sich über den aktuellen Projektstand zu informieren und über technische Maßnahmen in den Kommunen zu diskutieren. Eine wassersensible Stadtentwicklung bietet dabei u.a. auch Synergien für den Hochwasserschutz und Verdunstungskühlung. In den Bebauungsplänen gehört im gesamten Kreisgebiet z.B. die Regel zur Versickerung von Regenwasser auf dem eigenen Grundstück bereits seit Jahren zum Standard.
Auch die Weiterverwendung von Regenwasser oder Grauwasser (aus Dusche, Waschmaschine etc.) als Brauchwasser bietet ein hohes Potential zur Reduzierung der Grundwasserentnahmen. Um eine breite Umsetzung zu erreichen bedarf es aber noch mehr Öffentlichkeitsarbeit, Förderprogramme und die Umsetzung in den Gestaltungsvorschriften von Bebauungsplänen, was derzeit rechtlich noch nicht möglich ist.
Im Nachgang werden die Kommunen die Chance erhalten in einem Fragebogen anzugeben, welche Maßnahmen sie bereits umsetzen, und welche Maßnahmen sie sich vorstellen könnten, in Zukunft umzusetzen.

Optionen für technische Maßnahmen in Kommunen im Rahmen des Wassermengenmanagements
Im Sommer wird es heißer und die Niederschläge werden weniger. Das ist auch diesen Sommer bereits zu spüren. Dadurch trocknen Böden schneller aus und Ackerpflanzen haben einen geringeren Ertrag. Bereits im Trockenjahr 2018 wurde daher erheblich mehr Grundwasser für die Feldberegnung eingesetzt und nachfolgend neue Anträge für Wasserrechte beantragt. Im Süden des Landkreises Verden, wo derzeit die meiste Feldberegnung stattfindet, sind die nutzbaren Grundwasserreserven bereits heute an ihrem Limit.
Es wurden nun zwei Szenarien zur zukünftigen Entwicklung der Feldberegnung bis Mitte des Jahrhunderts entwickelt. Das erste Szenario orientiert sich dabei am Niedersächsischen Wasserversorgungskonzept (WVK), in dem ein mittlerer Anstieg des Beregnungsbedarfs von derzeit 2,4 Mio. m³/a auf 4 Mio. m³/a prognostiziert wird, der sich vor allem im südlichen Teil des Landkreises bemerkbar machen würde. Das zweite Szenario bildet den „Worst-case“ ab und orientiert sich dabei am potentiellen Zusatzwasserbedarf (ZWB) der Ackerböden. Dies ist die maximal notwendige Wassermenge, um bei den vorhandenen Böden und einer durchschnittlichen Fruchtfolge einen guten Ertrag zu erzielen. Hier würde bei einer flächendeckenden Feldberegnung ein theoretischer Wasserbedarf von ca. 16 Mio. m³/a anfallen, der die nördlichere Landkreishälfte stärker betreffen würde. In diesem Szenario würden alle vorhandenen Grundwasserteilkörper (GWTK) in eine spürbare Übernutzung der Grundwasserreserven kommen und Grundwasserspiegelabsenkungen mit sich bringen.
Es müssen daher neben den bereits diskutierten technischen Maßnahmen nun auch regulatorische Maßnahmen betrachtet werden.

Prognostizierte nutzbare Grundwasserdargebotsreserve in den unterschiedlichen Grundwasserteilkörpern (GWTK) im Landkreis Verden für ein mittleres Szenario der Feldberegnung nach dem Wasserversorgungskonzept (WVK) Niedersachsen und einem „Worst-case“ Szenario nach dem Zusatzwasserbedarf (ZWB) der Ackerböden. Stand 28.09.2026.

Prognostizierte Entnahmemengen zur Feldberegnung in den unterschiedlichen Grundwasserteilkörpern im Landkreis Verden für ein mittleres Szenario nach dem Wasserversorgungskonzept (WVK) Niedersachsen und einem „Worst-case“ Szenario nach dem Zusatzwasserbedarf (ZWB) der Ackerböden.
Die fünf Arbeitsgruppen – 1) Wasserversorger, 2) Industrie und Gewerbe, 3) Naturschutz, 4) Land- und Forstwirtschaft, 5) Wasser- und Bodenverbände – waren fleißig: im Februar 2026 haben sie sich auf fünf prioritäre Maßnahmenvorschläge pro Gruppe geeinigt. Diese wurden im ersten Treffen der übergreifenden Koordinationsgruppe vorgestellt und alle als wünschenswert bewertet. Die Gruppe diskutierte eine erste Einschätzung jeder Maßnahme nach Förderfähigkeit, Möglichkeit der Abbildung im Modell, Widerstand bei der Umsetzung und technischer Machbarkeit.
Im nachfolgenden Treffen Anfang Juni 2026 wurden die dann Maßnahmen gruppenübergreifend nach Themen neu sortiert. Neben nicht-technischen Maßnahmen wie Kooperation und Öffentlichkeitsarbeit liegt der Schwerpunkt auf den technischen Themen wie Bedarfsreduzierung, Substitution von Grundwasser sowie Wasserrückhalt und gezielte Grundwasserneubildung. Wasserrückhalt kann dabei in Böden, in Gräben und Gewässern oder in Mooren erfolgen. Sowohl Machbarkeitsstudien als auch die technische Umsetzung an konkreten Pilotstandorten sind vorgeschlagen. Die Maßnahmen sollen weiter konkretisiert werden, sodass auch eine Einschätzung der Kosten und Nutzen erfolgen kann. In den folgenden Arbeitsgruppentreffen sollen zudem auch noch regulatorische Maßnahmen eingebracht und diskutiert werden.
Abgestimmte Maßnahmenliste mit „Ampelbewertung“ aus den fünf Arbeitsgruppen.